ABBUC meets Computerspiele-Museum

Auf der Games Convention 2008 trifft man alte Bekannte wieder

Nachdem der ABBUC 1997 Spenden als Starthilfe gegeben hatte, trifft man sich heute auf Augenhöhe auf der Games Convention in Leipzig, wo beide mit eigenen Ständen in Halle 2 vertreten sind. Das Computerspiele Museum in Berlin war über die Jahre zu einer festen Institution geworden, die ihresgleichen suchte. Aber Anfang 2001 musste die ständige Ausstellung leider schließen, weil die eigenen Ausstellungsräume zu klein wurden. An dessen Stelle trat nun eine Wanderausstellung, die es zusätzlich ermöglichte die Kosten zu senken. Infos zur Ausstellung finden sich auf der Webseite des Museums: http://www.computerspielemuseum.de/


Der folgende Original-Artikel über das Computerspiele Museum (damals hieß es noch Computer- und Videospiele Museum) erschien im ABBUC Magazin Nr. 48 im 1. Quartal 1997

Computer- und Videospiele Museum des Fördervereins für Jugend- und -sozialarbeit e.V., Berlin

Vorwort
Erstmalig in Europa hat der Förderverein für Jugend- und -sozialarbeit e.V. ein richtiges Museum nur für Computer- und Videospiele gegründet. Seit ihrem ersten Auftreten vor 30 Jahren halten sie die spielende wie die nicht spielende Welt in Atem. Kaum ein Medium hat sich in den letzten Jahrzehnten so explosionsartig entwickelt wie Computer- und Videospiele. Seit Mitte der 70er Jahre eroberten sie im Sturm unsere Wohn- und Kinderzimmer. Damit leisteten sie – und leisten auch heute noch – entscheidende Pionierarbeit für die Entwicklung und Verbreitung der Computertechnik insgesamt. Die Kinder von damals haben mittlerweile selber Kinder, die ebenso wie sie von den heutigen Spielen fasziniert sind. Doch befassen sich heute schon längst nicht mehr nur Kinder mit diesem Medium. Mehr und mehr entwickeln sich Computer- und Videospiele zu einem Freizeitvergnügen für Jedermann. Dabei erfüllen sie aber nicht nur den Zweck zu unterhalten, sondern sie gestalten und vermitteln unsere Kultur insgesamt. Denn Spiel ist mehr als nur zweckfreier Zeitvertreib. Einen großen Teil seiner Umwelt erschließt sich der Mensch durch den spielerischen Umgang mit ihr. Computer- und Videospiele bieten die Möglichkeit, sich aktiv – spielerisch – mit dem Geschehen auf dem Bildschirm auseinander zu setzen.

Zur Geschichte
Die Geschichte der Computer- und Videospiele ließt sich mindestens ebenso spannend wie ein guter Krimi. Es ist die Geschichte von genialen Ideen und visionären Bastlern, vom Aufstieg kleiner Garagenfirmen zu Weltunternehmen. Aber auch von Zusammenbrüchen, Übernahmen, Blamagen und Pleiten. Trotzalledem entwickelten sie sich in kürzester Zeit zu einem Medium, das mehr und mehr unsere Freizeit bestimmt. Wurden vor 20 Jahren Computer- und Videospiele noch mit dunklen Spielhallen und süchtigmachendem Kriegsspielzeug in Verbindung gebracht, ist die Angebotspalette heute so vielseitig, daß Besprechungen im Feuilletonteil der Zeitungen nichts Unübliches mehr sind.Die Computer- und Videospiele revolutionierten unser Freizeitverhalten grundlegend. Zum ersten mal war es möglich, Medien nicht mehr nur passiv zu konsumieren, sondern aktiv mit ihnen umzugehen. Es tat sich eine neue, phantastische Welt auf, in die der Spieler eintauchen konnte. Fasziniert von diesen Möglichkeiten, fingen bald mehr und mehr Menschen an, in ihrer Freizeit kleine bunte Knöpfchen zu drücken und dabei gebannt auf das Geschehen auf dem Bildschirm zu starren. Doch was bei den Einen Begeisterung auslöste, verursachte bei den Anderen große ngste und Unsicherheiten. Kaum ein Phänomen polarisierte unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten so stark wie Computer- und Videospiele. Es ist nun an der Zeit, eine erste Rückschau zu halten. Wie war das überhaupt am Anfang? Was erregte damals die Gemüter? Was war so faszinierend oder abstoßend an dem neuen Medium? Welchen Einfluß hat(te) die technische Entwicklung auf Computer- und Videospiele? Wie veränderten sie sich?

Wie groß war und ist ihre Verbreitung, ihre wirtschaftliche Bedeutung? Wer spielte sie damals und wer heute? Welche kulturelle Bedeutung kommt ihnen zu? In unserem Museum können sie sich zu alledem selbst ein Bild machen. Und zwar nicht nur anhand von Daten, Fakten und Zahlen. Versetzen sie sich mit dem Joystick in der Hand und dem Bildschirm vor Augen zurück in alle Epochen dieses Mediums. Angefangen von den ersten Tennisspielen über die vielen Generationen der Videospielekonsolen und Münzspielautomaten, den ersten Computerspielen bis hin zu den neusten Entwicklungen. Erleben Sie spielend den Charme der frühen Spiele der 70er und 80 Jahre. Hier finden Sie originelle und geniale Ideen, die auch heute nichts von ihrem Reiz eingebüßt haben.

Die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung
Computer- und Videospiele gibt es seit ca. 30 Jahren. Was anfangs nur wenige verspielte Speialisten faszinierte, bewegt heute Millionen von Menschen und Milliarden von Geldern. Durch die schnell zunehmende Verbreitung der Computer in den Privathaushalten sind sie zu einem festen Bestandteil unserer Freizeitkultur geworden. Kontinuierlich haben sie sich auf Grundlage der technischen Möglichkeiten zu einem Medium entwickelt, das – im selben Umfang wie z.B. Bücher und Filme – in der Lage ist, komplexe Informationen in der ihnen eigenen Weise zu vermitteln. Folgerichtig zählen zum Benutzerkreis schon längst nicht mehr nur Kinder und Jugendliche. Im zunehmenden Maße wird der Computer nicht mehr nur als reines Arbeitsmittel sondern auch als Unterhaltungsmedium mit vielfältigen Möglichkeiten genutzt. Es gehört nicht allzuviel Kühnheit zu der Behauptung, daß gerade diese Art von Nutzung entscheidend zu der Verbreitung der Computer in den privaten Haushalten beigetragen hat. Unterhaltungssoftware kann somit als eine Art Motor beschrieben werden, der die technologisch-kulturelle Entwicklung zu einem nicht unerheblichen Teil belebt und vorantreibt. Das, was sich hinter den Schlagworten „Multi Media“ oder „neue, interaktive Medien“ verbirgt, ist ohne Computer- und Videospiele nicht denkbar.Doch nicht nur ihre Beziehung zum technologischen Fortschritt zeichnet sie dabei aus. Schon immer sind Computer- und Videospiele als Versuch zu verstehen, kreativ (spielerisch) mit den Mitteln des technischen Fortschritts umzugehen. Menschliche Bedürfnisse, Wünsche und ngste sowie gesellschaftliche Realitäten fließen ebenso in ihre Gestaltung wie in ihre Rezeption ein. Durch diese exponierte Stellung im Brennpunkt Mensch-Technik ist ihre Geschichte auch ein Teil unserer Geschichte.

Die Ausstellung
In zwei Ausstellungsräumen zeigen wir auf 70 qm einen repräsentativen Querschnitt der Geschichte von Computer- und Videospielen. Schon jetzt können wir fast alle wichtigen Entwicklungsschritte mit Ausstellungsstücken veranschaulichen. Darunter sind solche Raritäten wie z.B. das Vectrex Videospielsystem mit sämtlichen Erweiterungen (3-D-Brille (!), Lightpen), die teilweise nie auf dem deutschen Markt verkauft wurden und selbst in den USA begehrte Sammlerstücke sind. Doch kommen unsere Exponate nicht nur aus Übersee. So stellen wir z.B. das erste in der DDR gebaute Videospiel aus und dokumentieren dessen Geschichte.Das, was wir noch nicht mit Ausstellungsstücken darstellen können, wird durch bebilderte Informationstafeln erläutert.Konkret umfaßt unsere Eröffnungsausstellung folgende Bereiche:1. Eine Darstellung der Entwicklung von Computer- und Videospielen in chrono
logischer Reihenfolge mit ca. 15 Exponaten2. Sonderthemena) Das Adventure Genre, eines der Urgenres überhaupt. Angefangen bei den ersten Textadventures aus den Siebzigern werden wir die Entwicklung bis heute darstellen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die ehemalige Firma Infocom gelegt, die bei Fans absoluten Kultstatus genießt. Dazu zeigen wir einige der raren Orginal-Spiele.b) Videospiele-Münzautomatenc) Computerspiele und JugendschutzDieser Bereich wird in Zusammenarbeit mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) erstellt.d) Videospiele in der DDR Wir zeigen das erste in der DDR produzierte Videospiel von 1980.e) Videospiele und KunstAusstellungstücke sind zwei großformatige lbilder des polnischen Malers und Kunstprofessors Romuald Oramus, die uns von der Informationsgemeinschaft Münz-Spiel, GmbH, Bonn als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden.Ca. 70 Informationstafeln erläutern sämtliche Bereiche und liefern Hintergrundinformationen.

Die Veranstaltungen
Neben den im folgenden aufgeführten Terminen werden in unregelmäßigen Abständen Sonderveranstaltungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten stattfinden.

Für alle
Unser Veranstaltungstag ist Donnerstag. Im wöchentlichen Wechsel finden zwei Angebote statt:* Informationsveranstaltung zur Geschichte der Computer- und Videospiele* Informationsveranstaltung zu aktuellen Entwicklungen auf dem Unterhaltungssoftwaremarkt (incl. Demonstration von empfehlenswerten Spielen)Bei beiden Reihen werden keine Fachkenntnisse vorausgesetzt. Zielgruppe sind alle, die sich einen Überblick über das Medium verschaffen wollen. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 beschränkt, so daß eine Voranmeldung erwünscht ist. Die Veranstaltungen finden von 19 bis 21 Uhr stattFür FachpublikumJeden letzten Samstag im Monat (bei Bedarf auch öfter) findet ein Workshop statt, der sich in erster Linie an Paedagogen und Jugendarbeiter wendet. Dieser hat drei Schwerpunkte:* Informationen zum aktuellen Marktgeschehen* rechtliche Rahmenbedingungen des Jugendschutzes* Erörterung der Möglichkeiten, Computerspiele in die Jugendarbeit miteinzubeziehenDie Veranstaltung findet von 10 bis 19 Uhr statt.

Für Fans
In Absprache steht das Museum allen Gruppen als Veranstaltungsort zur Verfügung, die sich für bestimmte Aspekte der Geschichte von Computer- und Videospielen interessieren. Von unserer Seite werden wir alles tun, um solche Initiativen zu unterstützen

Das Archiv
Durch Kooperation mit der USK (Unterhaltungssoftware Selbskontrolle) stehen dem Museum im Augenblick über 2000 Orginal-Titel zu Präsentations- und Dokumentationszwecken zur Verfügung. Darin sind ca 90 % aller in den letzten 3 Jahren auf dem deutschen Markt erschienenen Spiele enthalten. Zusätzlich wird eine eigene Sammlung erstellt, in der ältere Spiele systematisch archiviert werden.

Trägerschaft
Träger des Museums ist der Förderverein für Jugend- und -sozialarbeit e.V. (Rungestr. 20, 10179 Berlin). Als freier, gemeinütziger Träger ist er im Bereich der Jugendarbeit in Berlin und Brandenburg tätig

Öffnungszeiten
– jeden Sonntag „Open House“ von 12 bis 20 Uhr (offen für alle)
– jeden Donnerstag von 19 – 21 Uhr

Veranstaltungen (nach Voranmeldung)
– jeden vierten Samstag im Monat von 10 – 19 Uhr Workshop (nach Voranmeldung)
Darüber hinaus können nach Absprache Gruppentermine (z.B. Schulklassen) zu beliebigen Zeiten vereinbart werden. Das Programm kann dabei spezifischen Bedürfnissen angepaßt werden.

Ansprechpartner und Kontakt
Projektleiter: Andreas Lange
Anschrift/ Kontakt: Computer- und Videospiele MuseumRungestr. 20,10179 Berlin (Mitte)

Kooperationen
* Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)
* Verband der Unterhaltungssoftware Deutschlands e.V. (VUD)
* Forschungsprojekt „Derealisierung und Digitalisierung“ an der Freien Universität Berlin
* Atari Bit Byter User Club e.V. (ABBUC)