Prewiew Magazin 72 (erscheint März 2003)

Zork 2003

Was haben Abenteuerspiele und virtuelle Computer gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick annimmt. In den 80er Jahren waren die Infocom Textadventures die Renner auf dem Markt der Textadventures. Damals, als die Grafikfähigkeiten der Rechner nur für…..
Zork 2003

Was haben Abenteuerspiele und virtuelle Computer gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick annimmt. In den 80er Jahren waren die Infocom Textadventures die Renner auf dem Markt der Textadventures. Damals, als die Grafikfähigkeiten der Rechner nur für wenig realistische Pixelgrafiken ausreichten, benutzen die Infocom Adventures das leistungsfähige verfügbare Peripheriegerät, um die Abenteuer zu visualisieren: das Gehirn der Spieler.

Die Spiele bestachen durch atmosphärische Beschreibungen der Szenen, knifflige Puzzles und lustige und oftmals ironische Geschichten. Brian Moriaty, Steve Meretzky, Douglas Adams und viele andere Autoren erschufen Spiele, die in Fankreisen Kultstatus genießen. Diese Spiele waren in Z-Code Programmiert, einer Art Maschinensprache für die Z-Maschine, einen Computer den es nie in wirklicher Hardware gegeben hat. Aber es gab (und gibt) für fast alle Computersysteme so genannte Z-Code Interpreter, die es ermöglichen, diese Spiele auf wirklichen Computern zu spielen. Diese Technologie ermöglichte es Infocom, die Spiele in kurzer Zeit auf sehr vielen verschiedenen Computersystemen zu veröffentlichen (u. a. Atari 400/800, CP/M, IBM PC, TRS-80 Model I/III, NEC APC, DEC Rainbow, Commodore 64, TI Professional, DECmate, Tandy-2000, Kaypro II, Osborne 1, MS-DOS, TI 99/4a, Apple Macintosh, Epson QX-10, Apricot, Atari ST und Amiga).

Leider ging die Firma Ende der 80er Jahre innerhalb des Activision Konzerns auf und verschwand bis auf den Markennamen, welcher von Activision nun für andere Spiele verwendet wurde. Ein sehr interessanter Bericht über den Aufstieg und Fall von Infocom findet sich unter [1]. Anfang der 90er Jahre machte sich Graham Nelson daran den Z-Code der Infocom Spiele zu erforschen. Herausgekommen ist hierbei das Z-Maschine Standard Dokument [2] und der Z-Code Compiler, Inform. Mit dem Inform Compiler ist es möglich, Z-Code Programme zu schreiben und in Z-Code zu übersetzen. Der Inform-Compiler ist freie Software und ebenfalls für eine große Anzahl von Rechner verfügbar [3]. Inform machte es möglich, das Autoren auch nach dem Verschwinden von Infocom neue Textadventures, oder besser Interactive Fiction, erstellen konnten. Und das schöne an der von Inform benutzten Z-Code Technik ist es, das auch diese neuen Spiele mit den bestehenden Z-Code Interpretern spielbar sind. D. h., das auch die neuen Spiele auf einem 8Bit ATARI funktionieren.

Hierzu müssen die kompilierten Spiele mit einem Z-Code Interpreter zusammengebracht werden. Ungünstigerweise kann man die neuen Spieledaten nicht einfach auf eine bestehende Infocom Diskette kopieren, da Infocom hier ein Platz sparendes Sektorformat auf einer Bootdiskette benutzt. Tom Hunt von der „Closer to Home“ Mailbox/Webseite [4] hat schon 1996 einen neuen Z-Code Interpreter für den ATARI 8-Bit geschrieben und sieben neue Spiele veröffentlicht. Die Spiele sind von verschiedenen Autoren, einige sind Einsendungen aus dem jährlich stattfindenden Interactive Fiction Autoren-Wettbewerb.

Auf Tom’s Webseite befindet sich ein Paket [5] mit DCM-Dateien der Programme. Die Spiele: * Scott Adams‘ Adventureland * Alice through the looking glass, eine Anleitung/Beispiel für die Inform Programmiersprache [6] * Mini Zork I: The great Underground Empire, von Infocom (nie für den ATARI erschienen, Zork Demo) * „Detective“, Mystery Science Theatre 3000, von C. E. Forman, 4ter Platz des IF-Wettbewerbs 1995 (Mystery, Humor, Satire) * Odieus’s Quest for the Magic Flingshot, Fantasy, 1990 * The Paper Chase, von Chris Skapura, Schulabenteuer * Toyshop, an Interactive Demostration, von Graham Nelson Wer sich auf „Baf’s Guide to the IF Archive“ [7] umschaut, wird sehen, das seit 1996 etliche (über 100) neue Abenteuer im Z-Code Format hinzugekommen sind.

Die Quelle für alles rund um Interactive Fiction findet sich auf den Servern des IF-Archives [8]. Das die Z-Maschine nicht nur benutzt werden kann, um Textadventures zu spielen, zeigen Programme, die Z-Code benutzten (andere würden sagen missbrauchen) um z. B. Tetris zu spielen [9].

Für die Programmierer wie Tom Hunt wäre es interessant zu erfahren, ob es Bedarf an weiteren Adventures für den ATARI gibt. Wer gerne weitere Z-Code Spiele auf dem ATARI sehen würde, schreibe doch eine E-Mail an Tom ( ) oder an carten@strotmann.de (ich leite die Anfrage an Tom weiter und werde mit Tom zusammenarbeiten um neue IF-Titel auf den ATARI zu portieren). Carsten Strotmann

Links aus dem Text

 [1] – die Geschichte von Infocom, ftp://ftp.gmd.de/if-archive/infocom/info/infocom-paper.pdf

[2] – Z-Machine Standard Document, http://www.inform-fiction.org/zmachine/standards/z1point0/index.html

[3] – Inform Compiler, http://www.inform-fiction.org/

[4] – Closer to Home, http://cth.dtdns.net/

[5] – ATARI Z-Code Paket, http://cth.dtdns.net/Featured/Z-Code/zcode.html

[6] – Alice through the looking glass tutorial, http://www.engin.umd.umich.edu/CIS/course.des/cis587/alice/InformTutorial.html

[7] – Übersicht von IF Titeln mit Bewertung, http://www.wurb.com/if/game?sort=A

[8] – IF-Archive, http://www.ifarchive.org/

[9] – FreeFall, Tetris in Z-Code, http://www.eblong.com/zarf/if.html

[A] – Infocom Documentation Project, Anleitungen, Spielhilfen, etc., http://infodoc.plover.net/index.html

[B] – Infocom IF Infosammlung, http://infodoc.plover.net/index.html

[C] – Inoffizielle Infocom Homepage, http://www.csd.uwo.ca/~pete/Infocom/