Unconventional 2002

Der Floppydoc und die Unconventional 2002

Der Floppydoc & die Unconventional 2002

Tag minus 1 – Die Lange Nacht

Tja, so ein Umzug macht echt Streß. Irgendwann weiß man nicht mehr, ob man irgendwelche Sachen in Wohnung 1 oder Wohnung 2 hat oder was in welchem Karton (trotz Beschriftung) oder in welchem Stapel der Karton ist. Auf jeden Fall ist es immer der untere Karton im letzten Stapel.

Der Tag geht zur Neige, die Schlepperei nimmt kein Ende und für die Uncon 2k2 ist noch nichts vorbereitet. Ich würde gerne das volle Equipment mitnehmen, so daß ich weiter an meinem Sektorkopierer arbeiten kann. Von Mirko habe ich vor ein paar Tagen eine eMail erhalten, wo er gefragt hat, ob ich ihm einen Rechner mit Monitor und Floppy mitbringen kann, weil er ja mit dem Zug kommt und schlecht alles mitschleppen kann. Klar habe ich gesagt ….

Nun, eMail geht jetzt nicht mehr, weil die Rechner schon abgebaut sind. Die Rechner sind zwar noch in Wohnung 1, aber die Kabel sind schon in Wohnung 2. Also ist nix mehr mit aktuellen eMails. Grisu wollte auch unterwegs mitgenommen werden, aber wann ich eigentlich losfahren werde steht noch nicht fest.

Nun ja, was muß ich noch alles vorbereiten? Das Notebook muß noch fertig gemacht werden. Da müssen die ganzen Disketten drauf, SIO2PC, APE, halt alles, was man braucht oder brauchen könnte. Und natürlich erst mal das Betriebssystem. Es ist 22 Uhr und morgen Nachmittag (ungefähr) wollte ich los. Wie soll ich das alles schaffen?

Ich bin gerade in Wohnung 2. Was habe ich denn alles hier? Das Notebook, ach ja, die Ersatzfestplatte ist auch hier. Moment, die Rollwagen vom Schreibtisch sind doch auch hier, dann sollte … ja, die CD mit der handgeschnitzten W95 Installation ist auch da. Eine Bootdisk mit CD-Treiber … auch. Jetzt fehlt nur noch Ghost … auch da. Los gehts. Oh Shit, wo ist denn die CD mit den Treibern für die Netzwerkkarte? Muß wohl in Wohnung 1 rumfliegen …

23:30 Uhr. So, das Notebook ist soweit fertig. Was muß ich denn jetzt noch alles tun, um den XL-Ordner von PC-1 auf das Notebook zu kriegen? Die ganzen Kabel und das Notebook wieder von Wohnung 2 nach Wohnung 1 schaffen und hoffen, daß man nichts vergißt. Was steht denn so noch alles an? Und was muß alles zur Uncon mit? Machen wir doch gleich mal ’ne Liste.

REPEAT
SUCHE Blatt und Stift
UNTIL gefunden = TRUE

Kurz vor Tag Null. Die Liste ist soweit fertig. Futter kaufen, Überweisungen tätigen, Geld holen, zur Bank gehen und große Scheine in kleine tauschen lassen, fertige Wäsche aus Wohnung 2 in Wohnung 1 schaffen, gebrauchte Wäsche umgekehrt, Notebook fertig machen, alle Atari 8-Bit Sachen aus Wohnung 1 in Wohnung 2, Checkliste für Uncon.

Und dann kommen da auch noch ein paar SMS von Grisu. Mist, jetzt auch noch auf dem Handy rumtippen. Kann man da nicht ’ne Standard PC-Tastatur anschließen? Grisu will wissen, wann es losgeht. Tja, keine Ahnung. Sagen wir mal frühestens 15 Uhr.

Tag Null – Das Erwachen
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Pieps … pieps … pieps … Piiieeeps … Piiiiieeeeps …. PIIIIEEEEPSSSS Hä? Wecker? Wieso geht der denn? Ich hab doch heute frei. Wieso hab ich heute frei? Ach ja, die Uncon. Was sitzt denn da auf meinem Hals und dröhnt so? Könnte mal bitte jemand die Kaffee-Infusion an mein Bett bringen?

Kaffeemaschine einschalten, duschen, Kaffee trinken. Wieso ist denn die Kanne so leer? Wohl das Wasser vergessen. Also Wasser rein. Puchchchch. Ihr wißt was passiert, wenn man Wasser in eine Kaffeemaschine schüttet, die schon an ist und wo frisches Pulver schon im Filter ist? Ok, dann wißt ihr auch, warum ich den Staubsauger aus der Ecke kramen mußte. Und das bei dem engen Zeitplan. Rüber zur Bäckerei. Da hab ich mir dann vorsichtshalber ein fertig belgtes Brötchen gegönnt … Dann wieder zurück zum Kaffee, jau, jetzt isser da! Schlürf schlürf …

Und los gehts. Liste abarbeiten. Kofferraum leeren, leere Umzugkartons und den restlichen Kram einpacken …

ZEITSPRUNG

14:50 Uhr. Schweißüberstömt und fast alles fertig. Fünf zusätzliche Punkte für die Checkliste haben sich ergeben. Für zwei davon muß ich nochmal in Wohnung 1, aber auf dem Weg zur Autobahn komme ich ja daran vorbei. Jetzt erst mal noch mal duschen. Und zwar KALT, und das mindestens 5 Minuten!!!

15:10 Uhr. So, jetzt sitze ich im Auto und es kann losgehen. Die Dusche hat es übrigens gebracht. Es sind 45 Grad im Auto und ich fühle mich pudelwohl. Jetzt noch ein Schluck von der eiskalten Cola … So, und jetzt Grisu anrufen. Nanu, sieben Anrufe auf dem Handy? Alle aus der Firma? Nun ja, Motor an und die Rückruftaste drücken. „Hallo, ihr habt angerufen. Ich bin gerade auf dem Weg in den Osten. Was wollt ihr denn von mir? Was? Keine Ahnung? Ok, dann ruf einfach nochmal an, wenn was ist. Aber denk dran, ich habe keine Handyhalterung. Ich kann also während der Fahrt nicht drangehen. Ciao.“ So, jetzt noch eben Grisu von der Abfahrt unterrichtet und los.

Unterwegs hatte ich zum ersten mal richtig Glück, weil sich das Stauvolumen in erstaunlich erträglichen Grenzen gehalten hat. Echtes Easy-Driving, sozusagen und auch noch sonnig! Ach ja, dann war da noch dieses neue Stück Autobahn. Da haben die eine Asphaltschicht aufgebracht, die so gut lärmmindernd war, daß man bei offenem Fenster und Tempo 140 nicht die Autos gehört hat, die links und rechts neben einem fuhren. Warum machen die bloß die Straße vor meiner neuen Wohnung nicht damit ??? :-(((

Um viertel nach sechs war ich dann am vereinbarten Treffpunkt. Grisu war noch nicht da, also hab ich die Gelegenheit für eine Pause genutzt. Es war angenehm warm, die Cola war angenehm kalt, da kommt schon fast echtes Urlaubsfeeling auf. Wie entspannend doch so eine Uncon sein kann :-))

21:40 Uhr. Knappe 600 Kilometer auf der Uhr. Eintreffen bei Helmut in Lengenfeld. Das Auto ist ein bischen kaputt, im Leerlauf geht der Motor immer aus. Na ja, ein FORD. Was sagt man in Kanada? „_F_ix _O_r _R_epair _D_aily“ oder „_F_ound _O_n _R_oard _D_ead“. Goßes (leises) „Hallo“. Ein Teil der Famile schläft schon (das möchte ich übrigens auch bald, aber das wird noch etwas dauern, weil wir erst nach Mitternacht in das Schützenhaus können).

Tag 1
—–
Um kurz nach Mitternacht sind wir dann zum Schützenhaus gefahren. Es ist übrigens recht schwierig zu bremsen oder von vorwärts nach rückwärts zu schalten, wenn der Motor dauernd ausgeht. Am Schützenhaus haben wir dann noch eben Helmuts Auto ausgeladen, das war bis unters Dach mit Getränken beladen. Dann hab ich mich in meinen Schlafsack verkrochen.

REPEAT
SCHNARCH
UNTIL (Sonne geht auf = TRUE)

Der neue Tag begann zum zweiten Mal. Diesmal zu rechtschaffener Zeit. Erstmal in den Waschraum, dann zur Kaffeemaschine, was diesmal ungefährlich war, weil ich erstens ausgeschlafen hatte und zweitens der Kaffee schon fertig vor sich hin köchelte.

RIK war irgendwann um Vier gekommen und schon auf, aus ebenso roten Augen blickte Thorsten. Grisu war schon recht munter, ebenso Helmut.

In der aufkeimenden Uncon-Atmosphäre hab ich dann alle 8-Bit Sachen aus dem Auto geladen und alles aufgebaut und angeschlossen. Aber dann ging die R-Time-8 nicht mehr, weil die Batterie wohl den Geist aufgegeben hatte und, was schlimmer war, stürzte mein Mac/65 Assembler dauernd ab. Zuerst habe ich gedacht, die Kontakte müßten mal gereinigt werden, dann habe ich das Netzteil getauscht, dann meine Speichererweiterung ausgebaut. Langsam kam die Vermutung auf, daß einer der Chips defekt sein könnte. Dann habe ich das Mac/65 ROM mal kurz aus der Fassung genommen und wieder hineingesteckt. Und plötzlich funktionierte es. Highspeed, Sparta DOS, XEP-80, SIO2PC Interface, 80-Zeichen, Datei laden, liste
n, listen und noch mal listen. Tja, die einzige Billig-IC-Fassung und die war es wohl Schuld.

Das hat alles recht lange gedauert, gerade sind einige neu angekommen, darunter Frits mit dem Motorrad aus Holland. (So eine Fahrt muß doch Schmerzen an gewissen Körperteilen verursachen, oder?) Eben hat Mirko angerufen und mitgeteilt, daß sein Zug um 15:30 Uhr in Reichenbach ankommen wird. Helmut und ich werden ihn abholen.

So, jetzt ist mal wieder etwas Pause mit dem Bericht. Erst mal gibt es noch einen Schluck eines gewissen Kaltgetränkes und dann werde ich versuchen, mich wieder in meine Programmierung von vor einem Jahr hineinzudenken.

Offenbar ist so ein Jahr doch recht lange, obwohl es mir eher kurz vorgekommen ist. Aber das mit dem Wiederhineindenken geht ganz schön zäh, noch dazu, wenn ab und an mal jemand kommt und was fragt oder so. Nachmittags von halb drei bis fünf haben Helmut und ich dann Mirko vom Bahnhof einer Nachbarstadt (nicht Nachtbarstadt !!! Gell :-)) abgeholt. Da war der Faden auch wieder weg. Aber dafür hat die Fahrt spaß gemacht und das Wetter war genial.

Am späteren Abend war der Faden dann endlich da und neue Unterprogramme entstanden, wurden getestet und eingebaut. Aber dann war Tag 1 irgendwann zu Ende und Tag 2 begann. Carsten kam dann noch irgendwann Nachts, ihr wißt ja, der Mann mit dem Sektorkopierer in FORTH. Da wir beide die Augen auf Halbmast hängen hatten, verschoben wir die Arbeit auf nach Sonnenaufgang.

Halb zwei, Bettzeit!

Tag 2 – Der Hahn
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Wuff, wuff, kläff, kläff, wau wau WAAUUUU. 06:40 Uhr. Zumindest schien das Hundevieh sich für einen Hahn zu halten, weil er den Morgen so eröffnete. Ich fand das weniger toll. Wälz hin, wälz her, nutzt nix. Gibt es eigentlich Hundeweitwurf als Sportart? Also aufstehen. Dann, als ich auf war, war der Hund natürlich ruhig …

Zumindest war es eine gute Zeit, sich wieder ans Programmieren zu geben. Irgendwann im Laufe des Nachmittags wurde dann der erste Meilenstein fertig – die Routine, die solange Sektoren einliest, bis der Puffer voll oder der letzte Sektor der Disk erreicht war. Nachmittags bin ich da mal erst nicht weiter gekommen, da waren die Spielewettbewerbe wie Festplattenweitwurf und Autorennen. Jetzt ist es 21 Uhr irgendwas und ich bin gerade dabei, so oft den Puffer einzulesen, bis die Disk zu Ende ist. Es wird schon echt knapp, bis morgen auch noch das Schreiben fertig zu bekommen, denn einige haben ihre Demos soweit fertig, daß diese immer öfter testlaufen, und das immer lauter. Es ist also richtig schwierig, sich jetzt noch zu konzentrieren. Mal schauen. Ich werde versuchen, jetzt noch ein wenig weiter am Programm zu arbeiten. Carsten hatte vorhin gedacht, er hätte sich seinen Sourcecode zerschossen. War dann aber doch nicht der Fall.

Es ist jetzt 23:20 Uhr. Carsten hat mir vor einer Stunde oder so gezeigt, daß sein Sektorkopierer kopiert und die Benutzeroberfläche steht auch schon. Damit hat er mich wohl eindeutig überholt. Aber in einer Hochsprache kann man halt einiges einfacher erstellen. Zum Beispiel Userinterface oder Bildschirmausgaben. Da braucht Assembler schon ein paar Tastenklicks mehr.

Mein Proggi liest jetzt offenbar korrekt bis Diskende ein, man kann mit dem SIO Monitor von APE sehr gut sehen, was so an Kommandos über den seriellen Bus geht. Die Schreibroutine existiert schon und wird auch schon durchlaufen, aber im Moment wird da nur ein bischen gerechnet. Aber gleich kommen die entscheidenden Bytes zum Schreiben rein, dann sollte mein Kopierer auch kopieren. Neues dazu gleich. Apropos Hochsprachen. Carstens Kopierer ist zur Zeit 8K groß, meiner 1400 Bytes.

So, es ist jetzt wieder irgendwann nachts. Mein Sektorkopierer macht noch das ein oder andere Fehlerchen. Zum Beispiel liest er die Sektoren 1 bis 128 vom Quellaufwerk, schreibt dann Sektor 1 auf das Ziel, liest dann die Sektoren 2 bis 129 vom Quellaufwerk, schreibt dann Sektor 2 auf das Ziel und so weiter. Das ist – nennen wir es mal etwas uneffektiv. Morgen früh geht es weiter.

Tag 3 – Das Rennen
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So, weiter gehts. Zähneputzen, ein Kaffee, noch ein Kaffee und dann den XE mit Strom füttern. Und dann geht es ans Debuggen, wie man die Fehlersuche auf Neudeutsch nennt. Die Zeit bis Mittag rennt ziemlich zügig dahin, aber irgendwann ist es denn doch geschafft. „ES“ kopiert, und das ohne Fehler. Zum Spaß haben Carsten und ich unsere Sektorkopierer ein Wettrennen machen lassen. Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, haben wir sie nacheinander auf dem gleichen System gestartet, als Quellaufwerk eine 1050 mit Speedy und als Ziel eine XF 551. Die XF war übrigens in dem Fall die absolute Systembremse, weil wir weder ein OS noch ein DOS benutzt haben, was die Highspeed der XF unterstützte. Aber egal. Carsten war zuerst dran und der Kopierer brauchte ziemlich genau 120 Sekunden (von einem Unparteiischem gestoppt). Dann war mein Sektorkopierer dran und der brauchte … 120 Sekunden. Kopf an Kopf, sozusagen.

Nun, was bedeutet das unter dem Strich? Die eigentlich sehr lange Zeit wurde durch die XF verursacht, sonst wäre das wohl in etwa einem Drittel gelaufen. Darüberhinaus sind die beiden Kopierer tatsächlich ungefähr gleich schnell. Beide benutzen einen Puffer zum Einlesen mehrerer Sektoren und beide benutzen die Highspeed-Routine von Sparta DOS, soweit vorhanden. Außerdem ist das Ergebnis des fertigen FORTH-Programmes nahe an Assembler dran und wer schon mal mit dem BGET-Befehl von Turbo-BASIC gearbeitet hat weiß, daß man selbst unter TB Diskettenzugriffe in Maschinensprachegeschwindigkeit realisieren kann.

Meinen Sektorkopierer mit dem aktuellen Stand von der Uncon stelle ich Wolfgang und damit Euch zum ausgiebigen Testen zur Verfügung. Die Verwendung erfolgt natürlich auf eigene Gefahr. Ach ja, und da er über eine Kommandozeile gestartet werden muß, gehen als DOS natürlich nur Sparta DOS, Bewe-DOS und OSA DOS könnte auch gehen.

So, noch ein paar Worte zum Ausklang der Uncon. Helmut und ich haben am Mittag dann Mirko wieder zum Bahnhof gebracht. Danach noch ein wenig getöttert und dann alles eingepackt (verflixt, vorher hat doch auch alles in das Auto gepaßt ???) und aufgeräumt. Großes Tschö und dann der lange Weg nach Hause. Da war ich dann so um 00:30 Uhr.

The Day After
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Um 00:30 Uhr hatte ich dann keine Lust mehr, das Auto auszuladen. Also die teuren Sachen und die „Papiere“ unter den Arm und dann ab ins Bett. Auf jeden Fall hat die Uncon megaviel Spaß gemacht.

Euer Erhard